Nachhaltigkeit im Mining: Verdammte Pflicht oder immense Chance?

Die gerechte Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit mineralischen Rohstoffen ist die größte gesamtgesellschaftliche Herausforderung der Zukunft. Heute auf Gedeih und Verderb verknüpft mit einer effizienten Nachhaltigkeit ergibt sich ein gigantisches ökonomisches Potenzial.

Von Bodo Wistinghausen

Nur wenige Begriffe werden in der Industrie so intensiv diskutiert, wie die Nachhaltigkeit. Das gilt im Besonderen auch für den Mining-Bereich. Von globalen Dimensionen gibt es wohl kaum eine Branche, der dabei größere Bedeutung beizumessen ist. Die Gewinnung mineralischer Ressourcen ohne durchgreifende Rücksichtnahme auf die Endlichkeit der Verfügbarkeit ist schon heute als Irrweg in die Sackgasse weitgehend akzeptiert. Jetzt gilt es Realitäten zu erkennen und global zu investieren. Die Herausforderungen des nachhaltigen Handels zu Chancen zu machen und diese wirtschaftlich zu nutzen, ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit.

© Bodo Wistinghausen zoom © Bodo Wistinghausen | Nachhaltigkeit und Folgenutzung: Eine sorgfältige Rekultivierung schafft oft mit geringem Aufwand anerkanntermaßen hochwertige Sekundärbiotope.

Nachhaltigkeit: Regionale Unterschiede beachten
Alle Bereiche des Bergbaus sind gleichermaßen betroffen, obwohl natürlich in den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche Prioritäten gesetzt werden müssen. Im vergleichsweise dicht besiedelten West- und Zentraleuropa beginnt bereits mit der Planung einer Rohstoffgewinnung eine Flächenkonkurrenz gegenüber anderen Nutzungen etwa in der Landwirtschaft. Flächen sind rar, daher beinhaltet nachhaltiges Handeln auch die sorgfältige Rekultivierung der Abbaugebiete. Was in den gut organisierten Industrienationen längst zum Alltag gehört, ist weltweit gesehen noch ein Entwicklungsfeld. Dort beinhaltet die Herausforderung Nachhaltigkeit mehr als die Minimierung des Verbrauchs von Energie und Ressourcen. Es gilt, alternative und umweltfreundliche Energien sowie neue Technologien in der Rohstoffgewinnung anzuwenden. Nachhaltiges Handeln beginnt dabei bereits mit einer soziokulturellen Komponente: Die Zertifizierung der Rohstoffgewinnung und Nachverfolgbarkeit entlang von Lieferketten mineralischer Rohstoffe wirkt bei der Entwicklung und Umsetzung internationaler Anforderungen.

© Bodo Wistinghausen zoom © Bodo Wistinghausen | Nachhaltigkeit und Arbeit: Bei der Rekultivierung von Steinbrüchen und Tagebauten kann zur Abdeckung die Aufnahme von Inertmaterial interessant sein.

Weltweiter Technologietransfer
Dem kann und will sich die Branche nicht verschließen – um so wichtiger ist ein globaler Erfahrungs- und Technologietransfer. Erste Pionierleistungen zeugen vom Potenzial: Das Post-Mining eröffnet komplexe Möglichkeiten der Folgenutzung etwa für Pumpspeicherwerke zur Energiegewinnung in ehemaligen Bergwerksschächten. Eigens entwickelte Methoden machen bereits einmal ausgebeutete Abraumhalden erneut zu wirtschaftlich interessanten Lagerstätten. Mit der sogenannten Biolaugung lassen sich bestimmte Erze durch den Einsatz von speziellen Mikroorganismen lösen. Übergreifend sind neue Verfahren und Vorgehensweisen gefragt, Deutschland und andere Technologieführer können hier Vorbild sein. Ihre weltweite Expertise muss mit einem Technologie- und Wissensexport einher gehen. Intelligent interpretiert ist es die Chance des 21. Jahrhunderts für die Miningindustrie. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) führt auf ihrer Internetseite zum Thema Bergbau und Nachhaltigkeit beispielhaft nationale wie internationale Projekte auf.

© Bodo Wistinghausen zoom © Bodo Wistinghausen | Große Steinbrüche sind nicht selten landschaftsprägend und zur Rohstoffversorgung ganzer Regionen unerläßlich.

Mining: Groß denken – global handeln
Die Dimensionen erschließen sich zunehmend und kein Superlativ kann die Situation besser beschreiben, als es Stefan Rummel, Managing Director der Messe München ausdrückte: „Eine neue Ära liegt vor uns. Eine Ära mit vielen komplexen Fragestellungen zu Themen wie künstlicher Intelligenz, autonomen Fahren, Nachhaltigkeit, Recycling und vielen mehr.“

Die bauma in München hat stets den Anspruch, als weltweit führende Informationsplattform mehr als nur eine Maschinenshow zu sein. Aber auch in diesem Segment ist der Weg Richtung Nachhaltigkeit bereits eingeschlagen. Was bei runderneuerten EM-Reifen schon lange als nachhaltige Alternative etabliert ist, findet sich mittlerweile auch bei den Baumaschinen. Etliche Hersteller bieten werkseigene Aufbereitungsprogramme für Großfahrzeuge an, allen voran die Branchenriesen. Diese als Rebuild oder Remanufacturing bezeichneten Komplettüberholungen bringen ein vollständiges zweites Arbeitsleben mit Werksgarantie für Muldenkipper, Bagger oder Radlader. Oft findet sich die Nachhaltigkeit im Detail von Produkten und Technologien.

Bodo Wistinghausen schreibt für GP Gesteins-Perspektiven. Die Fachzeitschrift vertritt als offizielles Organ des Bundesverbandes Mineralische Rohstoffe e.V. (MIRO) und seiner Landesverbände die gesamte Gesteins-Industrie publizistisch.

Bilder: © Bodo Wistinghausen