Nachhaltigkeit: Ein Dachbegriff für vielgestaltige bauma Innovationen

Nachhaltigkeit gehört zu den aktuellen Leitlinien der Technologieentwicklung der Bau- und Baumaschinenbranche. Im Folgenden einige Schlaglichter auf den Innovationsreichtum, den die bauma 2019 zu einzelnen Aspekten des Sammelbegriffs auf dem Münchener Messegelände versammeln wird.

Von Helmuth Ziegler

© Doppstadt zoom © Doppstadt | Der neue Spiralwellenseparator SWS 3000 macht aus bindigem Materialgemisch zwei saubere Fraktionen von Über- und Unterkorn.

Zu den großen, nachhaltig zu lösenden gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit gehört der intelligente Umgang mit den natürlichen Ressourcen. So verbraucht laut dem Unternehmerverband Mineralische Baustoffe jede/r Deutsche im Schnitt pro Stunde ein Kilo Gestein. Der aktuelle Immobilienboom erhöht den Rohstoffhunger der Nation. Allerdings liegen viele Vorkommen in Naturschutzgebieten oder unter bebauten Flächen und können deshalb nicht erschlossen werden. Zudem ist die Genehmigung neuer Gewinnungsstätten langwierig.

„Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, den Rohstoffanteil im Abraum noch besser zu nutzen“, sagt Thomas Willeke, Marketingleiter bei Doppstadt. Das Maschinenbauunternehmen aus Velbert/Deutschland präsentiert dazu auf der bauma 2019, der weltweit führenden Messe für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte, einen neuen Spiralwellenseparator. Das Gerät kann auch stark bindige Materialgemische trennen, also zum Beispiel Steine von klebrigem Lehm oder Ton. Die Rohstoffgewinnung aus dem ursprünglichen „Abfall“ verlängert die Laufzeit des Steinbruchs und schont die Lagerstätten.

„Straßenrecycling“ mit weniger Feinstaub
Riesige anthropogene Lagerstätten sind unsere Straßen. Genutzt werden sie durch Rück- und Wiedereinbau. Allerdings entstehen beim Abtrag alter Fahrbahndecken bedeutende Mengen an Feinstaub. Um die Lungen von Beschäftigten, Anwohnern und Passanten davor zu schützen, entwickelte die Bomag GmbH aus Boppard/Deutschland für ihre Kaltfräsen ein innovatives System, das die feinen Partikel zu ungefährlicherem Grobstaub verklumpt.

© Herrenknecht zoom © Herrenknecht | Mit einer neuen Verlegetechnik können Kabelschutzrohre über zehnfach längere Strecken als bisher umweltschonend grabenlos verlegt werden.

Landschaftsschonende Erdkabelverlegung
Zu einem nachhaltigen Vorgehen gehört es auch, den Naturraum soweit wie möglich zu schonen – beispielsweise beim Verlegen von Stromleitungen. Wo früher breite „Wunden“ durch Bewuchs und Boden geschlagen werden mussten, geht es heute vielfach behutsamer zu. So kann die auf der bauma präsentierte Verlegetechnik E-Power Pipe der Herrenknecht AG aus Schwanau/Deutschland Kabelschutzrohre über Strecken von mehr als einen Kilometer Länge in zwei bis vier Metern Tiefe grabenlos einbringen. „Ein mögliches Anwendungsgebiet unserer gleichzeitig wirtschaftlichen, wie auch umweltfreundlichen Technologie ist die im Zusammenhang mit der Energiewende in Deutschland anstehende Erdverlegung von tausenden Kilometern Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen“, berichtet Dr. Marc Peters, Leiter des Geschäftsfelds Energie bei der Herrenknecht AG.

© Umdasch Group Ventures zoom © Umdasch Group Ventures | Mit einer mobilen Fertigteilfabrik kann sozialer Wohnraum kostengünstig und in großen Mengen geschaffen werden.

Mobile Fertigteilfabrik auch mit sozialen Vorteilen
Der Wertekanon der Nachhaltigkeit umfasst auch soziale Gesichtspunkte. So ist die Menschheit zum Beispiel aufgefordert, in intelligenter Weise Wohnraum für die steigende Weltbevölkerung zu schaffen. Die zur Umdasch Group Ventures gehörende Neulandt GmbH aus Amstetten/Österreich stellt auf der bauma dazu erstmals eine mobile Fertigteilfabrik vor, die speziell dafür konzipiert wurde, kostengünstig und in hohen Mengen soziale Wohnungen zu schaffen. Das Werk kann innerhalb von vier Wochen an fast jedem Projektstandort weltweit aufgebaut werden. Die Vor-Ort-Produktion optimiert Logistikabläufe und spart Transportwege. Die lokale Materialbeschaffung und der Einsatz örtlicher Arbeitskräfte tragen zur Wertschöpfung am Standort bei. „Pro Werk und Jahr können weit über 1.000 Häuser mit einer jeweiligen Wohnfläche von 45 m² hergestellt werden“, beschreibt Marco Romahn, Geschäftsführer der Neulandt GmbH. Ist der Bedarf gedeckt, kann die „Protable Precast Plant“ abgebaut und zum nächsten Einsatzort transportiert werden.

Konzeptionell ähnlich arbeitet ein neues, auf der bauma erstmals präsentiertes Fertigungskonzept der Max Bögl Wind AG aus Neumarkt/Deutschland. Statt Wohnungsfertigteilen werden hier Betonelemente für die Türme von Windkraftanlagen in einem temporären Werk nahe zu deren zukünftigem Standort hergestellt.

Helmuth Ziegler ist selbstständiger Fachredakteur in Veitshöchheim bei Würzburg.

Bilder: © Doppstadt | © Herrenknecht | © Umdasch Group Ventures